| Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf |
| Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie |
| Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. D. Häussinger |
Bei der chronischen Hepatitis B Virus (HBV) Infektion unterscheidet man
grundsätzlich zwischen zwei prognostisch bedeutsamen Verlaufsformen: Die Form
der Viruspesistenz mit keiner oder nur geringe Virusvermehrung (HBsAg positiv
aber im Hybridisierungstest HBV-DNA negativ und HBeAg negativ, HBV-DNA in der
PCR positiv oder negativ). Diese Form ist durch eine günstige Prognose mit nur
geringem Zirrhoserisiko gekennzeichnet. In der Regel läßt sich bei diesen
Patienten, die auch als ”Gesunde HBsAg-Träger” bezeichnet werden, der
virale Replikationsmarker HBeAg serologisch nicht nachweisen. Therapeutische
Optionen bestehen bei dieser Situation nicht, da derzeit keine Substanzen
verfügbar sind, die eine Serokonversion des HBsAg (und damit eine Ausheilung der
Erkrankung) begünstigen würden. Eine Infektiösität dieser Patienten ist gering
aber nicht sicher auszuschließen.
Im Gegensatz dazu ist die Infektion mir
hoher Virusvermehrung d. h. die hoch replikative Form (im
Hybridisierungstest HBV-DNA positiv und meist auch HBeAg positive) fast immer
eine ernstzunehmende fortschreitende Lebererkrankung. Das Zirrhoserisiko beträgt
nach 5 Jahren bereits etwa 15%. Komplizierend kann es im Zirrhosestadium zu
einem zunehmenden Leberfunktionsverlust, zu Folgen der portalen Hypertension und
zum hepatozellulären Karzinom kommen.
Durch medikamentöse Behandlung mit
Alpha-Interferon oder Lamivudine kann heute bei vielen Patienten
mit hoch-replikativer HBV-Infektion ein Übergang in eine niedrig-replikative
Form d. h. eine Serokonversion des HBeAg mit Negativierung der HBV-DNA induziert
werden. Hierdurch wird die Prognose der Patienten verbessert. Die Indikation zu
einem Therapieversuch ist daher bei hoch-replikativer chronischer HBV-Infektion
und Fehlen von Kontraindikationen fast immer gegeben. Eine Elimination des HBsAg
gelingt durch eine Behandlung mit Interferon oder Lamivudine nur in
Ausnahmefällen und stellt nicht das primäre Therapieziel dar.
Therapie der HBV-Infektion mit Interferon
Für die Therapie der hoch-replikativen (im Hybridisierungstest HBV-DNA
positiven und meist auch HBeAg positiven) chronischen HBV-Infektion stehen in
Deutschland derzeit 2 Substanzen zur Verfügung. Neben rekombinantem
Interferon-alpha (Intron A®, Roferon A®) wurde zuletzt im Sommer 1999
Lamivudine (Zeffix®) für diese Indikation zugelassen. Lamivudine ist ein gut
verträgliches Nukleosidanalgon, das bei täglicher oraler Einnahme (100 mg/die)
zu einer hochgradigen Hemmung der HBV-Vermehrung führt. Problematisch ist die
häufige virale Resistenzentwicklung bei längerer Monotherapie, die bei vielen
Patienten eine Reaktivierung der Hepatitis nach sich zieht (s. u.). Andere, noch
nicht für die chronische Hepatitis B zugelassene Nukleosidanaloga wie
Adefovir (Gilead Sciences) oder Entecavir (Bristol Myers Squibb),
werden derzeit im Rahmen klinischer Studien getestet, sind aber noch nicht frei
erhältlich. Famciclovir und Ganciclovir wurden vorwiegend nach
Lebertransplantation bei der erneuten HBV-Infektion des Transplanatates
eingesetzt.
Aufgrund mangelnder Langzeiterfahrungen mit Lamivudine muß
weiterhin die 6-monatige Alpha-Interferon-Behandlung (5-6 Mio. IE 3x pro Woche
subcutan) als initiale Standardtherapie der hoch-replikativen chronischen
Hepatitis B gelten. Bei Interferon-Kontraindikationen oder fehlendem Ansprechen
auf Interferon sollte dagegen Lamivudine eingesetzt werden. Durch die
Interferon-Therapie kann erfahrungsgemäß bei ca. 30-40% der Patienten
eine Serokonversion, d. h. ein Verlust des HBeAg mit Ausbildung von
HBe-Antikörpern (HBe-Ak) induziert werden. Eine Serokonversion des HBsAg wird
nach einer Interferonbehandlung nur bei etwa 8% der Patienten beobachtet. Als
günstige Prognosefaktoren gelten neben niedriger HBV-DNA, hohen Transaminasen
und ausgeprägter histologischer Entzündungs-aktivität vor Therapiebeginn auch
die kurze Erkrankungsdauer sowie eine fehlende HDV- oder HIV-Koinfektion. Bei
Patienten, die eine Infektion mit der sogenannten ”HBeAg-Minusmutante” aufweisen
(HBV-DNA im Hybridisierungstest positiv, HBeAg negativ), wird wegen höherer
Relapsraten als bei HBeAg-positiven Patienten eine Therapiedauer von 12 Monaten
und eine evtl. höhere Interferondosis (z. B. 9-10 Mio IE 3x pro Woche)
empfohlen. Immer sind während einer Interferon-Therapie die vielfältigen
obligaten und potentiellen Nebenwirkungen zu beachten, die eine
engmaschige klinische Überwachung der Patienten erforderlich machen.
Therapie der Hepatitis B mit Lamivudine
Bei Interferon-Kontraindikationen oder fehlendem Ansprechen auf Interferon
(keine Negativierung der HBV-DNA im Hybridisierungstest) sollte eine mindestens
12-monatige orale Lamivudine-Behandlung eingeleitet werden (Zeffix®, 100
mg/die). Nach 1-jähriger Therapie kann hierunter bei 52-56% der Patienten ein
Rückgang der Entzündungsaktivität in der Leber und in 16-17% eine
Serokonversion des HBeAg erwartet werden (HBeAg negativ/anti-HBe
positiv/HBV-DNA negativ).
Ob nach erfolgreicher Serokonversion die
Medikation abgesetzt werden kann, ist unklar. Erste Untersuchungen zeigen, dass
frühestens 6 Monate nach Verschwinden des HBeAg eine Therapie beendet werden
sollte. Sollte unter der Lamivudine-Behandlung jedoch keine HBeAg-Serokonversion
auftreten, so muß die Therapie unbefristet fortgesetzt werden. Vermutlich läßt
sich hierdurch der Anteil der Patienten mit Therapieansprechen weiter erhöhen.
Besondere Probleme können durch virale Resistenzen entstehen, die bereits
nach 1-jähriger Therapiedauer bei 14-32% der Patienten nachgewiesen werden
können. Ursächlich für die Resistenz-entwicklung sind meist Mutationen an
Position 552 (und evtl. zusätzlich Position 528) der YMDD-Aminosäuresequenz der
HBV-Polymerase. Steigende HBV-DNA-Spiegel mit nachfolgendem Transaminasenanstieg
können hierauf hinweisen. Bei Auftreten von Resistenzen sollte die Medikation
zunächst fortgesetzt werden. Bei den meisten Patienten wird trotz Nachweis
resistenter YMDD-Mutanten eine eher milde Reaktivierung der Hepatitis
beobachtet, die vermutlich eine Fortsetzung der Therapie zuläßt. Weil jedoch
fulminante Verläufe möglich sind, sollten langfristig behandelte Patienten nach
Absetzen grundsätzlich engmaschig überwacht werden. Andererseits kann ein
Absetzen von Lamivudine zu einem Wiederauftreten von HBV-Wildtyp-Stämmen mit
folgender Verdrängung der YMDD-Mutanten führen. Theoretisch bietet sich dann die
Möglichkeit für einen erneuten Therapieversuch.
Patienten, die mit der ”HBeAg-Minusmutante” infiziert sind (HBV-DNA im Hybridisierungstest positiv, HBeAg negativ) und mit Lamivudine behandelt werden, zeigen 12 Monate nach Therapiebeginn in 63% eine Negativierung der HBV-DNA. Da hier die HBeAg-Serokonversion nicht zur Beurteilung des Therapieerfolges herangezogen werden kann, ist die Festlegung der Therapiedauer problematisch. Da nach Absetzen einer 1-jährigen Lamivudine-Therapie 83% der HBV-DNA negativen Patienten innerhalb von 6 Monaten einen Erkrankungsrelaps erlitten, muß die Behandlung vermutlich länger fortgeführt werden. Ob hierdurch die Prognose verbessert wird, ist nicht bekannt.
Kombinationstherapie mit Interferon und Lamivudine
Besondere Erwartungen wurden aus theoretischen Überlegungen an die
Lamivudine-Interferon-Therapie geknüpft, da hier in Analogie zur HIV-Infektion
zwei unterschiedliche und erfolgversprechende Wirkmechanismen kombiniert wurden.
Wenngleich die Datenlage für eine abschließende Beurteilung noch nicht
ausreicht, so sind die bisherigen Ergebnisse durchaus enttäuschend.
Sowohl bei nicht-vorbehandelten als auch bei erfolglos vorbehandelten Patienten
lag die HBeAg-Serokonversionsrate nach einer
Lamivudine/Interferon-Kombinationstherapie mit 29% bzw. 7-12% nicht höher als
unter einer konventionellen Interferon-Therapie. Größere Studien werden diese
Ergebnisse überprüfen müssen.
Fortgeschrittene Leberzirrhose vor Lebertransplantation
Eine wichtige Indikation für den Einsatz von Lamivudine sind Patienten mit
fortgeschrittener, HBV-DNA-positiver Zirrhose vor geplanter Lebertransplantation
(OLT). Eine effektive Reduktion der HBV-Virämie ist hier von entscheidender
Bedeutung, da vor allem hoch-replikative (HBV-DNA positive) Patienten nach der
OLT durch die prognostisch ungünstige HBV-Reinfektion gefährdet sind. Eine
Interferon-Behandlung kommt bei dieser Situation wegen drohender hepatischer
Dekompensation nicht mehr in Frage. Durch Einsatz von Lamivudine im
Vorfeld der Transplantation (100-150 mg/die) kann heute bei den meisten
Patienten eine Negativierung der HBV-DNA erzielt werden. Vermutlich wird
hierdurch die langfristige Prognose nach Transplantation verbessert.
Ob
durch fortgesetzte Lamivudine-Gabe auch nach OLT die HBV-Reinfektion des
Transplantates verhindert werden kann, wird derzeit untersucht. Erste
Untersuchungen zeigen eine gute Wirksamkeit vor allem bei Kombination mit
anti-HBs Immunglobulin (HBIg). Die Reinfektionsraten betrugen hier nach 12
Monaten lediglich 0-5% im Vergleich zu 46% bzw. 29% bei Einsatz von HBIg oder
Lamivudine allein. Unklar ist allerdings, welche Bedeutung der viralen
Resistenzentwicklung unter Lamivudine im Langzeitverlauf zukommt.
Fortgeschrittene Leberzirrhose ohne Transplantationsoption
Ob Patienten mit fortgeschrittener, HBV-DNA positiver Zirrhose ohne
Transplantationsoption von einer Lamivudine-Therapie profitieren, kann zum
jetzigen Zeitpunkt noch nicht entschieden werden. Einige Beobachtungen an
kleinen Patientenkollektiven deuten darauf hin, daß eine Verbesserung der
Leberfunktion möglich ist. Daten zur Mortalität fehlen. Da andere
Therapieoptionen zur Zeit nicht bestehen, würden wir Lamivudine auch
unter Berücksichtigung der guten Verträglichkeit bei diesen Patienten einsetzen.
HBV-Reinfektion nach Lebertransplantation
Besonders problematisch bleibt trotz zunehmender Erfahrung mit verschiedenen
Nukleosidanaloga die HBV-Reinfektion nach OLT, die trotz Langzeit-Prophylaxe mit
anti-HBs Immunglobulin bei etwa 50% der transplantierten Patienten beobachtet
wird. Erste Untersuchungen deuten zwar darauf hin, daß durch Einsatz von
Lamivudine bei fast 100% der Patienten mit HBV-Reinfektion zeitweilig
eine effektive Hemmung der HBV-Replikation erzielt werden kann, langfristig (im
Verlauf von 1-2 Jahren) verhindert jedoch eine zunehmende virale
Resistenzentwicklung bei 25-67% der Patienten die dauerhafte Suppression der
HBV-DNA. Ein Verlust des HBeAg wurde nach 1-jähriger Therapiedauer in einer
größeren Multicenterstudie bei 31% der Patienten beobachtet. Eine Elimination
des HBsAg ist die Ausnahme. Andere Nukleodidanaloga wie Famciclovir oder
Ganciclovir zeigen bei der HBV-Reinfektion ein deutlich schlechteres Ansprechen
als Lamivudine und sollten daher nur im Rahmen von Studien bei speziellen
Fragestellungen eingesetzt werden. Der sekundäre Einsatz von Famciclovir bei
Auftreten von Lamivudine-Resistenzen ist wegen häufiger Kreuzresistenzen nicht
vielversprechend.
Für die HBV/HIV-Koinfektion existiert zur Zeit kein allgemein verbindliches
Therapiekonzept. Hier muß immer im Einzelfall entschieden werden, ob die
Hepatitis B Infektion mutmaßlich die Prognose des Patienten mitbestimmt. Im Zuge
stetiger Verbesserungen vor allem der antiretroviralen (anti-HIV) Therapie wird
dies zunehmend der Fall sein. Durch die Wahl von Lamivudine zur Therapie
der HIV-Infektion besteht inzwischen die interessante Möglichkeit, eine
HBV-Koinfektion gleichsam ”in einem Zug” mitzubehandeln. Zu beachten ist
hierbei, dass Lamivudine in der HIV-Therapie mit 2x150 mg/die höher dosiert wird
als in der Hepatitis B-Behandlung. Unter einer solchen Therapie ließ sich nach 1
Jahr bei 96% der HBV/HIV-koinfizierten Patienten im Serum keine HBV-DNA mehr
nachweisen. Da langfristig jedoch mit Resistenzentwicklungen von HBV und HIV
gegen Lamivudine zu rechnen ist, kann derzeit keine generelle Empfehlung zu
diesem Vorgehen gegeben werden.
Ein Therapieversuch mit
Alpha-Interferon (5-6 Mio. IE Interferon-Alpha 2 TIW über 6 Monate)
sollte nach unserer Einschätzung nur dann durchgeführt werden, wenn bei gutem
klinischen Zustand annähernd normale CD4-Helferzellzahlen vorliegen. Die Gründe
hierfür sind das schlechte Ansprechen einer Interferon-Therapie bei
HIV-koinfizierten Patienten (HBV-DNA-Negativierung mit HBeAg-Serokonversion in
0-20%) sowie die häufigen Nebenwirkungen von Interferon.
Zur Therapie der seltenen, chronisch replikativen HBV-HCV-Koinfektion
(HBV-DNA und HCV-RNA positiv) liegen bis heute keine systematischen
Untersuchungen vor.
Alle Therapieempfehlungen müssen daher auf Erfahrungen
basieren, die bei der Behandlung der HBV- bzw. HCV-Monoinfektion gewonnen
wurden. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand würden wir eine Kombination aus
Alpha-Interferon plus Ribavirin bevorzugen, da diese bei der
HCV-Infektion einer Interferon-Monotherapie deutlich überlegen ist. Abweichend
von den Empfehlungen für die HCV-Monoinfektion der EASL (Alpha-Interferon 3 Mio.
IE TIW plus Ribavirin 1000-1200 mg/die über 6 Monate) sollte die Interferondosis
wegen der gleichzeitigen HBV-Infektion auf 5-6 Mio. IE TIW erhöht werden. Bei
den meisten Patienten kann nach 6 Monaten unabhängig vom Therapieerfolg die
Behandlung beendet werden. Nur im Fall einer Infektion mit dem ”schwierig zu
behandelnden” HCV-Genotyp 1 muß bei virologischem Ansprechen (HCV-RNA negativ
nach 6 Monaten) und hoher Virämie (über 2. Mio Kopien/ml vor Therapiebeginn)
eine weitere 6-monatige Therapiephase angeschlossen werden, um einen Relaps der
HCV-Infektion zu verhindern (Alpha-Interferon 3 Mio. IE TIW plus Ribavirin
1000-1200 mg/die).
Wegen fehlender Erfahrungen für diese Indikation sollten
so behandelte Patienten allerdings besonders engmaschig im Hinblick auf mögliche
Nebenwirkungen überwacht werden.
Experimentelle Therapieansätze bei chronischer
Hepatitis B
Weitere Therapieansätze, die bei der chronischen HBV-Infektion zur Zeit im
Mittelpunkt des Interesses stehen, sind Kombinationen von Lamivudine mit
Alpha-Interferon, andere Nukleosidanaloga wie Famviclovir, Adefovir oder
Entecavir sowie der Einsatz von Thymosin-alpha und rekombinantem
HBsAg-Impfstoff.
Der Einsatz von Famciclovir, das nicht für die
Therapie der HBV-Infektion zugelassen ist, kann derzeit nur von erfahrenen
Zentren bei fortgeschrittener Leberzirrhose oder bei HBV-Reinfektion nach
Lebertransplantation erwogen werden. Die antivirale Potenz der Substanz ist im
Vergleich zu Lamivudine deutlich geringer. Im Vergleich zu Plazebo führte eine
12-monatige Famciclovir-Therapie (1500 mg/die, n=417) mit 9% vs. 3% zu keiner
signifikanten Erhöhung der HBeAg-Serokonversionsrate. Auch ein sekundärer
Einsatz von Famciclovir bei Versagen von Lamivudine erscheint wegen häufiger
Kreuzresistenzen nicht sinnvoll.
Weitere Nukleosidanaloga wie
Adefovir oder Entecavir stehen erst am Beginn der klinischen
Testung. Für Adefovir zeigen in vitro-Untersuchungen, dass die Substanz auch bei
Lamivudine-resistenten HBV-Mutanten wirksam ist.
Ein wenig bekannter
Therapieansatz der chronischen HBV-Infektion ist die Gabe von Thymosin-alfa
1. Es handelt sich hierbei um ein synthetisch herstellbares Thymus-Peptid,
dem immunmodulierende Eigenschaften zugeschrieben werden. Die Substanz wird
subcutan appliziert, ist im Gegensatz zu Alpha-Interferon gut verträglich und
wurde vor allem in der Therapie maligner Tumoren getestet. Mehrere Pilotstudien
haben inzwischen eine bemerkenswerte Wirksamkeit von Thymosin-? 1 in der
Behandlung der chronischen Hepatitis B gezeigt. Die HBeAg-Serokonversionsraten
betrugen bei HBeAg/HBV-DNA-positiven Patienten ½ bis 1 Jahr nach Beendigung
einer 6 oder 12 monatigen Monotherapie 27-62%. Bei
HBeAg-negativen/HBV-DNA-positiven Patienten ließ sich ½ Jahr nach Abschluß einer
6 monatigen Thymosin-? 1-Therapie in 14-41% keine HBV-DNA mehr nachweisen.
Kontrollierte Studien mit größeren Patientenzahlen werden zeigen müssen, welcher
Stellenwert Thymosin-alfa 1 künftig in der Behandlung der chronischen Hepatitis
B zukommt.
Ein völlig neues Therapiekonzept haben wir kürzlich in unserer
Klinik getestet: Im Rahmen einer Pilotstudie wurden 20 Patienten mit chronischer
HBV-Infektion, die nach einer vorangegangenen IFN-Therapie weiter im
Hybridisierungstest HBV-DNA positiv waren (18 von 20 HBeAg positiv), kombiniert
mit Alpha-Interferon (Intron A? 5 Mio IE TIW über 6 Monate) und einer aktiven
Immunisierung gegen HBV (Gen H-B-Vax®) behandelt. Grundlage für diesen
Ansatz war die Beobachtung, daß bereits eine alleinige Immunisierung mit
rekombinanter Vakzine zu einer Hemmung der HBV-Replikation führt. Die
Mechanismen, die diesem Ansprechen zugrunde liegen, sind nicht geklärt. Unter
der kombinierten Interferon-Vakzinationstherapie zeigten 6 Monate nach Ende der
Behandlung 39% der Patienten einen Verlust des HBeAg mit Ausbildung von HBeAk.
Die HBeAg-Serokonversionsrate lag damit höher als unter einer hoch-dosierten
Interferon-Retherapie ohne begleitende Impfung (9 Mio. I.E. TIW über 6 Monate).
Ob sich diese vielversprechenden Ergebnisse bestätigen lassen, wird eine
laufende Multicenterstudie zeigen.
Ó T. Heintges, W. Petry